Globale Mittelhessen

„Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Erde verändern." Dieses afrikanische Sprichwort eignet sich gut als Motto für das Dokumentarfilmfestival Globale Mittelhessen, das am 20. Januar 2017 zum 8. Mal seine Pforten geöffnet hat und zwei Wochen lang zum Sehen, Diskutieren und Aktivwerden einludt.

Das Motto trifft zum einen auf uns als Globale-Team zu, das sich aus vielen Einzelpersonen und zahlreichen Organisationen aus der Region Mittelhessen zusammensetzt. Und noch viel mehr trifft es auf die Protagonist*innen in den Filmen des diesjährigen Programms zu. Da sind zum Beispiel Frauen in Nepal und Kambodscha, die trotz Kinderarbeit und Sklaverei um ihre Würde kämpfen, genauso wie die porträtierten Frauen in Ruanda, die ihre Stimmen gegen das Verschweigen des Genozids erheben. Es trifft auf die Männer und Frauen zu, auf die wir in den Filmen über Vertreibung und Flucht treffen. Wir erleben sie als Individuen mit all ihren Hoffnungen, Ängsten, Träumen und täglichen Kämpfen. Selbst im widerständigen Ausharren in der Todeszone rund um Fukushima lässt sich das entdecken.

Die Globale Mittelhessen unternimmt in jedem Jahr wieder den Versuch, den eurozentristischen Blick auf die Probleme dieser Welt zu hinterfragen. Lokale Umweltzerstörung, Ressourcenplünderung und Menschenrechtsverletzungen werden in den Filmen immer auch als Auswirkungen und Reflexe der weltweiten Unterwerfung aller Lebensbereiche unter das Diktat der ökonomischen Verwertbarkeit begriffen.

Es geht uns aber auch darum, immer wieder die Konventionen des Dokumentarfilms an sich und unsere Rolle als Filmkonsument*innen in Frage zu stellen. Wenn ein Protagonist im Film „Jakarta Disorder“ gleich zu Anfang sagt: „Nur ein Film also. Wenn sie wirklich helfen wollen, spenden Sie lieber 50 Kilo Reis … statt arme Leute (zu) filmen, was Sie dann in Europa rumzeigen“, so stellt er zielgenau und berechtigt unser Tun in Frage. In unserem diesjährigen Eröffnungsfilm „Les Sauteurs“ wird der Protagonist selbst zum Regisseur und filmt das Leben derjenigen, die versuchen, die Grenzzäune nach Europa zu überwinden.

Deshalb beinhaltet das Format der Globale immer auch Filmgespräche mit Filmemacher*innen und Referent*innen. Über das Interesse an widerständigen Menschen und sozialen Bewegungen und der Suche nach alternativen Lösungsansätzen hinaus, ist das Nachdenken über Widerstand und Handeln im eigenen Umfeld zentraler Bestandteil der Globale und der Filmgespräche im Anschluss an die Vorführungen.

In diesem Sinne wünschen wir auch in diesem Jahr wieder anregende und erkenntnisreiche Filme und Diskussionen!

Eure „vielen kleinen Leute“ vom Globale-Team