Die Filme in Marburg

26.01.2018 - 19:30

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Als kulinarische Begleitung gibt es nach dem Film Essen von EWO aus Würzburg

DEAD DONKEYS FEAR NO HYENAS – GRÜNES GOLD

Deutschland 2017 | Joakim Demmer | 80 Min | OmdtU

Ein dokumentarischer Thriller über die rücksichtslosen Methoden des Landraubs. Ackerland gilt global als das neue »Grüne Gold«. Und einer der profitabelsten Hotspots in diesem Business ist Äthiopien. Der Film begleitet einen äthiopischen Umweltjournalisten und zeigt Landgrabbing als eine moderne Form der Kolonisierung, bei der sich ausländische Investoren ohne jeden Nutzen für die lokale Bevölkerung große Ackerflächen aneignen. Auf Exporterlöse hoffend überlässt die äthiopische Regierung Millionen Hektar von angeblich ungenutztem Land den Investoren. Versprochen werden dabei Wohlstand und Entwicklung. In der Realität aber bleiben Bäuer*innen zurück, die von dem Land, auf dem sie seit Generationen lebten, mit Gewalt vertrieben wurden. Sie kämpfen verzweifelt um den Erhalt ihres Landes, ihrer Kultur, ihres Lebens. EU, Weltbank und internationale Entwicklungsagenturen tragen zu diesem Desaster mit milliardenschwerer Unterstützung bei.

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Gast: 

Joakim Demmer (Regie)
27.01.2018 - 18:00

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TEMPESTAD

Mexiko 2016 | Tatiana Huezo | 105 Min | OmengU

Eine mexikanische Frau, die vollkommen willkürlich verhaftet wurde, erzählt ihre Geschichte: Nach ihrer Verhaftung brüstete sich die Regierung ihres vermeintlichen Erfolges gegen die organisierte Kriminalität und inhaftierte die Frau in einem Privatgefängnis, das ganz offen unter der Kontrolle des Golf- Kartells steht. Wir sehen die Protagonistin nie, hören nur ihre Stimme während einer langen Busreise durch ein düsteres und wolkenverhangenes Land in einem unsichtbaren Krieg mit unsichtbaren Fronten. Überall finden Kontrollen durch martialisch aussehende Schwerbewaffnete statt, die eine Atmosphäre von permanenter Angst vermitteln. Durch die Bilder dieser Reise entsteht Raum für unsere eigenen Vorstellungen, sie fangen die Ungeheuerlichkeit des Berichts auf. Und plötzlich beginnt der Film mit einer zweiten Geschichte: Eine Zirkusartistin erzählt vom Verschwinden ihrer Tochter, die als Studentin entführt wurde. Ein Film von großer emotionaler und visueller Wucht.

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Lisa Ludwig ( Universität Marburg – FB Kultur u. Sozialanthropologie)
27.01.2018 - 20:30

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- Eintritt frei -

LIFE ON THE BORDER

Irak 2015 | Hazem Khodeideh u.a. | 73 Min | OmdtU

Der Krieg in Syrien und dem Irak aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen: Der berühmte kurdische Regisseur Bahman Ghobadi ermunterte sieben von ihnen, von ihren traumatischen Erlebnissen und dem Leben in den Flüchtlingscamps an der Grenze zwischen Syrien und Irak zu berichten. Dazu gab er ihnen jeweils eine Kamera und unterstützte sie dabei, filmisch ihre Geschichten zu erzählen und zu gestalten. Sie entwickelten die Drehbücher und standen sowohl hinter als auch vor der Kamera. Einige der so entstandenen kurzen Filme haben einen dokumentarischen Charakter, andere hingegen finden eher poetische und abstrakte Bilder. Eines haben die Filme jedoch gemein: Sie alle zeigen die Erfahrungen der Kinder mit dem Krieg und das schwierige Leben in den Flüchtlingscamps. Andererseits entstehen auch immer wieder zuversichtliche und liebevolle Momente, in denen die jungen Regisseur*innen von ihren Familien, Traditionen oder ihrer Musik berichten.

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Gast: 

B. Soleiman und S. Hossein (Filmprotagonisten), S. Nemati (Regie)
28.01.2018 - 15:00

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- Kooperationsprojekt mit der Studierendeninitiative »Uni goes Globale« - 

THE WAIT

Dänemark 2016 | Emil Langballe 58 Min | OmengU

Rokhsar Sediqi ist 14 und lebt in einer dänischen Kleinstadt. Sie ist gut in der Schule, hat Freunde und spielt im Mädchenteam des örtlichen Fußballvereins. Ein normales Teenagerleben, scheint es. Aber das täuscht: Vor mehr als fünf Jahren floh sie mit ihren Eltern und fünf Geschwistern aus Afghanistan nach Dänemark. Doch ihr Antrag auf Asyl wurde abgelehnt. Eine Abschiebung kann also jederzeit erfolgen.
»The Wait« zeigt eindrücklich, was die europäische Asylpolitik mit ihren abstrakten, bürokratischen Prozessen und jahrelanger Unsicherheit für Rokhsar und ihre ganze Familie bedeutet.

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Vorfilm: 

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J. Störmer (Flüchtlingsberatung, Diakonisches Werk), Prof. H. Christiansen (Marburg)
28.01.2018 - 18:00

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THE END OF MEAT

Deutschland 2017 | Marc Pierschel | 95 Min | Deutsch

Filmemacher Marc Pierschel wagt mit seinem Film den Blick in eine mögliche Zukunft ohne Fleisch und antizipiert deren Auswirkungen auf die Umwelt, Tiere und uns selbst. Dabei begegnet er Esther, einem ganz besonderen Hausschwein, welches das Leben von zwei Kanadiern komplett auf den Kopf stellt, spricht mit den Pionier*innen der veganen Bewegung in Deutschland, besucht die erste vegetarische Stadt in Indien, begegnet geretteten »Nutztieren« in Freiheit und trifft auf Wissenschaftler*innen, die die Herstellung tierfreien Fleisches erforschen, das neben der veganen/vegetarischen Er- nährungsweise zusätzlich zu einer wesentlichen Veränderung des 600 Milliarden schweren, globalen Fleischmarkts beitragen soll. Der Film zeigt Auswirkungen des Fleischkonsums, untersucht die vielschichtigen Vorteile einer pflanzlichen Ernährungsweise und wirft kritische Fragen über eine zeitgemäße Tierethik und die zukünftige Rolle der Tiere in unserer Gesellschaft auf. Wie lässt sich die entscheidende Wende im Mensch-Tier-Verhältnis gesamtgesellschaftlich erreichen?

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Gast: 

Marc Pierschel (Regie)
28.01.2018 - 20:30

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THANK YOU FOR THE RAIN

Norwegen, Kenia 2017 | Julia Dahr & Kisilu Musya | 87 Min | OmdtU

Über fünf Jahre hinweg hält Kisilu Musya, ein Kleinbauer aus Kenia, mit der Kamera das Leben seiner Familie, seines Dorfes und die lokalen Auswirkungen des Klimawandels fest. Er filmt das Auftreten von Dürren, Überschwemmungen und Stürmen. Seine Kinder werden aus der Schule nach Hause geschickt, weil er infolge der Ernteausfälle die Schulgebühr nicht zahlen kann. Dorfbewohner*innen ziehen Arbeit suchend in die Stadt, familiäre Konflikte häufen sich. Nachdem ein Sturm sein Haus zerstört, beginnt Kisilu ein Gemeinschaftsprojekt von Kleinbäuer*innen aufzubauen. Er leistet Aufklärungsarbeit zum Klimawandel und versucht durch angepasste Anbaumethoden die negativen Folgen extremer Wetterbedingungen auf die Selbstversorgung seines Dorfes zu mildern. Über seinen Kontakt mit der Filmemacherin Julia Dahr wird er 2015 zur UN-Klimakonferenz nach Paris eingeladen. Mit großen Hoffnungen erstattet Kisilu Bericht vor den Regierenden der Welt.

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Johannes Grün (Brot für die Welt)
29.01.2018 - 18:00

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GHOSTLAND – REISE INS LAND DER GEISTER

Deutschland 2016 | Simon Stadler, Catenia Lermer, Sven Methling | 86 Min | OmdtU

Für die Ju/`Hoansi, eine Jahrtausende alte Gemeinschaft in der namibischen Kalahari-Savanne, änderte sich ihr gesamtes Leben, als die Apartheid-Regierung ihnen 1989 das Jagdrecht entzog und sie dadurch zur Sesshaftigkeit zwang. Farmzäune durchziehen seitdem das Land. Jetzt liegt eine der raren Einnahmequellen im Tourismus. So führen sie Reisegruppen durch ihr Dorf, stellen ihre Tänze und sich selbst vor, werden beobachtet, bestaunt und fotografiert. Mit dem Angebot einer NGO an sie, Namibia zu bereisen, machen die Ju/ ́Hoansi erste Reiseerfahrungen. Und mit der Einladung an vier von ihnen, nach Deutschland zu reisen, wechselt die Perspektive endgültig. Zwischen der Boomtown Frankfurt und deutschem Landleben, staunendem Unterwegssein und ruhigem Reflektieren werden aus den Beobachteten nun Beobachtende. Mit einer kaum größer zu denkenden Distanz gehen die vier Ju/ ́Hoansi auf eine unterhaltsam-faszinierende Besichtigungstour ins Land der Geister. Und auch wir bekommen die Chance zu einem neuen Blick.

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Annedore Smith (Frankfurt)
29.01.2018 - 20:30

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PRE-CRIME

Deutschland 2017 | Monika Hielscher und Matthias Heeder | 87 Min | OmdtU

Die Handlung des Sci-Fi-Films »Minority Report«, in dem Verbrechen vorhergesagt werden können, ist Realität geworden: Bei der Methode »Predictive Policing« wird prognostiziert, wann und wo ein/e Straftäter*in zuschlägt. Gefüttert wird der Polizeicomputer dafür mit unseren persönlichen Informationen, die wir täglich freiwillig im Internet preisgeben: Facebook, WhatsApp, Online-Bestellungen etc. In Chicago, London oder München arbeitet die Polizei bereits mit der Analyse von Big Data. Die Regisseur*innen Monika Hielscher und Matthias Heeder sind für ihren Dokumentarfilm um die halbe Welt gereist und haben Menschen getroffen, die jeden Tag mit dieser Technologie zu tun haben bzw. sie weiterentwickeln. Und sie sprachen mit Menschen, die Opfer von »Predictive Policing« wurden. Wie viel Freiheit sind wir bereit aufzugeben für das Versprechen absoluter Sicherheit? Sind Computer und Algorithmen wirklich die besseren Polizist*innen?

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Sören Kupjetz (Hackspace, Marburg)
30.01.2018 - 18:00

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- in Kooperation mit Attac Marburg | Eintritt frei -

DIE STADT ALS BEUTE

Deutschland 2016 | Andreas Wilcke | 82 Min | Deutsch | OmengU

Von London bis New York gilt Berlin plötzlich als »the place to be«. Das weckt Begehrlichkeiten. Jeder will hier wohnen und viele wollen sich hier eine Wohnung kaufen, die – verglichen mit »zu Hause« – spottbillig ist. Ehemaliger staatlicher Wohnungsbestand wird privatisiert und Mietwohnungen werden zu Eigentum. Welten prallen aufeinander und Paralleluniversen tun sich auf. Der Film dokumentiert über vier Jahre mit beeindruckenden Bildern die rasanten Veränderungen durch diesen Immobilienboom. Er befragt die verschiedenen Akteure, begleitet Makler, Investoren und Kaufinteressenten bei der Schnäppchenjagd und Mieter*innen beim Gang durch die Institutionen. Der Zuschauer ist quasi live dabei, wenn im Zeitraffertempo eine ganze Stadt umgekrempelt wird.

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Andreas Wilke (Regie)
30.01.2018 - 20:30

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AWAKE, A DREAM FROM STANDING ROCK

USA 2017 | Josh Fox | 84 Min | Englisch

Das Widerstandscamp von »Standing Rock« bildete 2016 das Zentrum des Widerstands gegen den Bau der »Dakota Access Pipeline«. Die Sioux der Standing Rock Reservation wehren sich gegen den Bau der Pipeline, die über die Grabstätten und das heilige Land ihrer Vorfahren verlaufen soll. Der Plan für die Pipeline sieht vor, den Lake Oahe zu unterqueren und stellt eine Gefahr für die Wasserversorgung des Reservats und bestehende Ökosysteme dar. Im Laufe des Jahres wuchs das Camp auf über 3.000 Menschen an, die sich friedlich gegen die Umweltzerstörung einsetzten. Über 100 Gemeinschaften der Native Americans, Umweltorganisationen und Menschenrechtsaktivist*innen kämpften gemeinsam und gestalteten selbstorganisiert den Alltag im Camp. Standing Rock wurde zu einem Symbol und zur Inspirationsquelle der globalen Bewegung für Klimagerechtigkeit. Der Film erzählt die dramatische Geschichte des Protests aus der Perspektive der Aktivist*innen und der Camp-Gemeinschaft vor Ort.

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Dominik Werner (Marburg) und Vertreter*in der Klimagruppe Marburg
31.01.2018 - 18:00

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A MEMORY IN THREE ACTS

Mosambik 2016 | Indadelso Cossa | 64 Min | OmengU

Mosambik erlangte 1975 nach langem bewaffneten Kampf die Unabhängigkeit von Portugal. Noch zu Kolonialzeiten, in den 1960er Jahren, richtete eine Brigade der portugiesischen Geheimpolizei PIDE, genannt KULA, in der Hauptstadt Maputo ein Folterzentrum in der Vila Algarve ein. Dort wurden unzählige Freiheitskämpfer*innen verhört, gefoltert und ermordet. Für den Film A MEMORY IN THREE ACTS kehren einige der damaligen politischen Gefangenen nach 40 Jahren an den Ort ihrer Folter zurück. Ihre Bereitschaft, über ihre damaligen Erlebnisse vor der Kamera zu reden, wirkt wie eine Therapie gegen ihre Traumata. Der Film führt in bedrückenden Bildern durch die Ruinen des Folterzentrums, gefolgt von den Erzählstimmen der Widerstandskämpfer und begleitet von eindrucksvoller Musik. Die Mischung aus Archivmaterial, aktuellen Aufnahmen und Erzählungen der Zeitzeug*innen belegt facettenreich ein koloniales Trauma, dessen Wunden noch immer nicht geheilt sind.

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Paulino Miguel (Forum der Kulturen Stuttgart e. V.)
31.01.2018 - 20:30

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- In Kooperation mit der Filmreihe »Konflikt und Film« -

SONITA

Deutschland, Iran, Schweiz 2015 | Rokhsareh Ghaem Maghami | 91 Min | OmdtU

Wenn die 18-jährige Sonita es sich aussuchen dürfte, dann wäre Michael Jackson ihr Vater und Rihanna ihre Mutter. Sonita stammt aus Afghanistan und lebt ohne ihre Familie in Teheran. Ihr sehnlichster Wunsch: eine berühmte Rapperin zu sein. Eine soziale Einrichtung unterstützt sie bei der Überwindung der Flucht-Traumata und bei der Planung ihrer Zukunft. Ihre Familie hat ganz andere Pläne: Für 9.000 $ soll sie an einen fremden Ehemann nach Afghanistan verkauft werden – die Zeit drängt. Die Familie braucht Geld für die Hochzeit ihres Sohnes. Sonita braucht Zeit, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Mit einer Geldzahlung gelingt es ihr vorerst, die drohende Rückkehr nach Afghanistan zu verhindern. Diese Zeit nutzt sie, um in Teheran ein Musikvideo aufzunehmen und dieses auf YouTube zu stellen. Der Clip ist ein furioser Aufruf gegen die Zwangsheirat und erhält weltweite Aufmerksamkeit, die das Leben von Sonita entscheidend verändern wird.

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01.02.2018 - 18:00

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DEPORTATION CLASS

Deutschland 2017 | Carsten Rau, Hauke Wendler | 84 Min | Deutsch

Sie kommen in der Nacht, reißen Familien aus dem Schlaf und setzen sie in ein Flugzeug: »Zuführkommandos« von Polizei und Ausländerbehörden haben im vergangenen Jahr 25.000 Asylbewerber*innen aus Deutschland abgeschoben. DEPORTATION CLASS begleitet solche »Rückführungsaktionen« im Rahmen der immer häufiger durchgeführten Sammelabschiebungen. Von der Planung in deutschen Amtsstuben über die meist nächtlichen Abholungen bis hin zur Ankunft der Betroffenen in ihrem Herkunftsland werden die verschiedenen Stufen einer Abschiebung dokumentiert. Der Film zeichnet aber nicht nur ein präzises, nüchternes Bild dieser Abschiebungen. Er gibt auch denjenigen ein Gesicht, eine Stimme und damit ihre Würde zurück, die in den Fernsehnachrichten nicht zu Wort kommen: Menschen wie Gezim, der in Deutschland auf eine bessere Zukunft für seine Kinder hoffte und ohnmächtig zusehen muss, wie sein Traum zerplatzt. Oder die Familie von Elidor und Angjela, die nach der Abschiebung in Albanien ins Bodenlose stürzt.

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Alexandra Böckel (Asylverfahrensberatung in der Erstaufnahme, Evangel. Dekanat Gießen)
01.02.2018 - 20:30

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TRUE WARRIORS

Afghanistan, Deutschland 2017 I Ronja von Wurmb-Seibel, Niklas Schenck I 90 Min I OmdtU

Kabul, 11. Dezember 2014: Bei der Premiere eines Theaterstücks über Selbstmordanschläge sprengt sich ein 17 Jahre alter Junge in die Luft. Manche Zuschauer*innen klatschen – sie halten die Explosion für eine besonders realistische Inszenierung. Erst als Panik ausbricht, verstehen sie, was passiert ist. Der Dokumentarfilm TRUE WARRIORS erzählt die Geschichte der Schauspieler*innen und Musiker*innen, die an diesem Tag auf der Bühne standen. Sie wollten mit ihrem Stück über Selbstmordanschläge ein Zeichen setzen gegen den Terror, der ihre Gesellschaft zerfrisst. Nun sind sie selbst vor Angst gelähmt. Sollen sie jemals wieder Theater spielen? Nicht vorstellbar. Als Musiker berühmt werden? Viel zu gefährlich. Erst als der Schock der Gewalt sie ein zweites Mal trifft, entscheiden die Künstler*innen, sich mit aller Kraft ihrer Ohnmacht entgegenzustellen. Sie radikalisieren sich künstlerisch und beginnen so, ihr Trauma zu besiegen. TRUE WARRIORS zeigt uns, dass wir dem Terror mehr entgegensetzen müssen als Hass und Angst.

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Niklas Schenk und Ronja von Wurmb-Seibel (Regie)
02.02.2018 - 18:00

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TÜRKEI – RINGEN UM DEMOKRATIE

Türkei 2017 l Imre Azem l 52 Min l OmdtU

Im April 2017 stimmen nach offiziellen Angaben 51 Prozent der Wähler für Erdogans Präsidialsystem – die vier Protagonist*innen des Films gehören zu dem Teil, der »Nein« sagt. Die Dokumentation beginnt im Jahr 2013, als die Gezi-Park-Proteste, Höhepunkt der demokratischen Bewegung, Millionen Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern versammeln. Dort lernt der Regisseur Imre Azem einen Journalisten, eine Lehrerin und zwei Aktivist*innen kennen und begleitet sie über mehrere Jahre. Während sie versuchen, die demokratischen Kräfte in ihrem Land zu einen und trotz Risiko für ihre eigene Freiheit eine Alternative zu Erdogans Politik zu formulieren, scheint das Land in großen Teilen gespalten. Von den Gezi-Protesten 2013 über den Putschversuch 2016 bis hin zu Erdogans Ansprache nach dem Wahlsieg 2017 zeichnet die Dokumentation auch durch die persönlichen Geschichten der begleiteten Menschen das Innenleben eines Landes nach, dessen Zukunft umkämpft bleibt.

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Kemal Çalik (Bund türkischer Journalisten in Europa, ATGB)
02.02.2018 - 20:30

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DIL LEYLA

Deutschland 2017 | Asli Özarslan | 71 Min | OmdtU

Der Dokumentar lm DI LEYLA porträtiert die 27-jährige Leyla Imret bei ihren politischen Bemühungen, den Friedensprozess zwischen der kurdischen Bevölkerung der Türkei und der Regierung voran zu treiben. Leyla wurde in der türkischen Kleinstadt Cizre nahe der syrisch-irakischen Grenze geboren und wuchs mit den heftigen, bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen PKK und Militär auf. Nachdem ihr Vater in einem Gefecht mit dem türkischen Militär ums Leben gekommen ist, schickte ihre Mutter die damals 5-Jährige nach Deutschland, um sie vor den anhaltenden Konflikten zu schützen. Dort wächst sie bei Verwandten auf. Zwanzig Jahre später kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück und kandidiert für das Bürgermeister*innenamt. Mit großer Mehrheit wird sie gewählt. Der Dokumentarfilm schwankt zwischen alltäglichen Szenen der Kleinstadtpolitik und den immer wieder aufflammenden Konflikten in und um Cizre. Hoffnungsvolle Momente wie der Wahlerfolg der prokurdischen Partei HDP im Jahr 2015 werden überschattet von der erneuten Eskalation des Krieges im Jahr darauf.

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Mehmet Tanriverdi (Deutsch-kurdische Gesellscha Gießene.V.)
03.02.2018 - 18:00

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WHOSE STREETS?

USA 2017 | Sabaah Folayan | 103 Min | OmengU

Am 8. August 2014 wurde in Ferguson/Missouri der 18-jährige Schüler Michael Brown von einem Polizisten erschossen. 12 mal drückte der Polizist ab und der Tote blieb über Stunden auf der Straße liegen. Dieses Ereignis markiert einen Wendepunkt in der »Black Lives Matter«-Bewegung. In den darauf folgenden Tagen werden Künstler*innen, Musiker*innen, Lehrer*innen und Eltern zu Kämpfer*innen für Gerechtigkeit, die an vorderster Front gegen die rassistische Polizeigewalt in den USA eintreten. Die Proteste halten an. Als schließlich die schwer bewaffnete Nationalgarde in Ferguson einrückt und gegen die Demonstrierenden vorgeht, weiten sich die Proteste über das ganze Land aus.
Der Dokumentarfilm WHOSE STREETS? wurde von Aktivist*innen gefilmt, die Teil der Bewegung sind und selbst an den Protesten teilgenommen haben. Er gibt der schwarzen Bevölkerung von Ferguson eine Stimme und die Möglichkeit, ihrer Wut Ausdruck zu verleihen.

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Eric Otieno (Universität Kassel)
03.02.2018 - 20:30

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MACHINES

Indien, Deutschland, Finnland 2016 | Rahul Jain | 71 Min | OmdtU

Durch die Korridore der enormen und verwirrenden Strukturen einer Textilfabrik nimmt die Kamera die Betrachter*in mit auf eine Reise zu einem Ort der Entmenschlichung durch körperliche Arbeit und intensive Härte. Die Maschinen laufen an 7 Tagen in der Woche 24 Stunden. Die Schichten der Arbeiter*innen dauern 12 Stunden. Diese gigantische Fabrik im indischen Bundesstaat Gujarat, in deren Inneres kaum Tageslicht dringt, könnte genauso gut der Schauplatz für Dantes Inferno im 21. Jahrhundert sein. In seiner nachdenklich stimmenden und intimen Darstellung zeigt Regisseur Rahul Jain das Leben der Arbeiter*innen und das Leiden in einer Umgebung, der sie kaum entkommen können. Mit starker, visueller Sprache, unvergesslichen Bildern und sorgfältig ausgewählten Interviews der Arbeiter*innen erzählt Jain eine Geschichte von Ungleichheit, Unterdrückung und der großen Kluft zwischen den Perspektiven der Reichen und der Armen.

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Christiane Schnurra (Clean Clothes Campaign)
04.02.2018 - 18:00

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KONZERNE ALS RETTER

Deutschland 2017 | Caroline Nokel | 90 Min | OmdtU

Erklärtes Ziel der UN ist es, bis 2030 Armut und Hunger weltweit zu beenden. Um das zu erreichen, setzt die staatliche Entwicklungshilfe zunehmend auf die Privatwirtschaft. Der Einsatz unternehmerischen Know-hows kreiere eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, so die Befürworter*innen. Kritiker*innen halten dagegen, dass das Einbeziehen von Konzernen in die Entwicklungshilfe eine Außenwirtschaftsförderung sei und nicht den Hungernden zugute komme. Die Dokumentation analysiert die politischen Hintergründe öffentlich-privater Partnerschaften in der Entwicklungshilfe. Sie beleuchtet sieben unterschiedliche Modelle der Zusammenarbeit im Ernährungs- und Landwirtschaftssektor in Kenia, Sambia und Tansania. Dabei wird der Missbrauch staatlicher Entwicklungsgelder durch die Industrie aufgezeigt und der Grundkonflikt zwischen industrieller und kleinbäuerlicher Landwirtschaft deutlich. Ist eine Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und Staat in der Entwicklungshilfe überhaupt auf eine Art möglich, dass die lokale Bevölkerung tatsächlich von ihr profitiert?

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Caroline Nokel (Regie)
04.02.2018 - 20:30

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DREAM EMPIRE

Dänemark 2016 | David Borenstein | 73 Min | OmengU

Sieben Jahre lang folgt DREAM EMPIRE der jungen Chinesin Yana, einer Arbeitsmigrantin vom Lande, die in einem kuriosen Sektor vom chinesischen Bauboom profitieren und ihren eigenen Chinese Dream verwirklichen will: In ihrer Agentur vermarktet sie westliche Ausländer im Unterhaltungsprogramm von Immobilienverkaufsshows. Talent ist dafür nur bedingt erforderlich, Hauptsache die sog. »White Monkeys« schaffen internationales Flair. »Man stelle einen Europäer vor eine Geisterstadt, schon wird sie zur Metropole einer globalisierten Zukunft.« (Sarina Lacaf, DOK.fest München) Das Wohnen in »internationalen Städten« vom Reißbrett mit pseudo-westlicher Wohnkultur bedeute sozialen Aufstieg und Anlagegewinne, versprechen die Makler ihren chinesischen Kunden. Viele, darunter auch Yana selbst, glauben daran und werden zu Spielbällen in der Welt der Immobilienspekulation. Borenstein erzählt nicht nur Yanas, sondern auch seine eigene Geschichte. Denn als Musiker aus Europa ist er selbst ein »White Monkey«, den Yana im Neonlicht von Chinas Boomtown Chongqing anheuert.

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Werner Girgert (Journalist und Soziologe, Marburg)
05.02.2018 - 18:00

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STRIKE A ROCK

Südafrika 2017 | Aliki Saragas | 87 Min | Englisch

Die Geschichte zweier Freundinnen: Primrose Sonti und Thumeka Magwangqana leben in Marikana in der Nähe der Lonmin Platin-Mine, eine der weltgrößten. 2012 erlangte Marikana traurige Berühmtheit. Die Polizei massakrierte 37 streikende Minenarbeiter, ein traumatisches Ereignis für das neue Südafrika. Die Lebensbedingungen in ihrer informellen Siedlung haben sich seitdem noch weiter verschlechtert. Dagegen kämpfen diese beiden inspirierenden Frauen an. Sie gründen eine Frauenorganisation, nachdem eine Freundin ebenfalls durch die Polizei erschossen wird. Wir sehen, wie sich die beiden zu ganz unterschiedlichen sozialen Anführerinnen entwickeln. Primrose gewinnt einen Parlamentssitz für die neue radikale Oppositionspartei EFF und verlässt Marikana. Thumeka bleibt mit ihrer Furcht und ihrer Rolle als Anführerin im Kampf gegen Lonmin allein zurück. Können es die beiden Frauen mit dem Goliath aufnehmen und sich gleichzeitig die Freundschaft erhalten, die unter dem Druck zu zerbrechen droht?

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Carmen Ludwig (Universität Gießen)
05.02.2018 - 20:30

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- in Kooperation mit Attac Marburg | Eintritt frei -

FREE LUNCH SOCIETY – KOMM, KOMM GRUNDEINKOMMEN

Österreich, Deutschland 2017 | Christian Tod | 95 Min | Deutsch

Was würdest du tun, wenn du ein gesichertes Einkommen hättest? Das bedingungslose Grundeinkommen bedeutet Geld für alle – als Menschenrecht ohne Gegenleistung! Visionäres Reformprojekt, sozialromantische linke Utopie oder neoliberale Axt an den Wurzeln des Sozialstaates? Je nach Vertreter*in zeigt das Grundeinkommen sehr verschiedene ideologische Gesichter. Entscheidend ist das Menschenbild, das damit verwirklicht werden soll: Inaktivität als lähmendes süßes Gi oder Freiheit von materiellen Zwängen als Chance, für sich selbst und für die Gemeinschaft? Brauchen wir tat- sächlich die Peitsche der Existenzangst, um nicht träge vor dem Fernseher zu verkommen? Oder gibt die Erwerbsarbeit unserem Leben Sinn und sozialen Halt, weil wir es seit Jahrhunderten nicht anders kennen? Und weil wir nie gemeinsam die Freiheit hatten, uns anders zu verwirklichen? Der Film vermittelt Hintergrundwissen zu dieser Idee und sucht nach Erklärungen, Möglichkeiten und Erfahrungen zu ihrer Umsetzung.

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Werner Rätz (Attac)