Die Filme in Gießen

27.01.2018 - 18:00

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BORDERLAND BLUES

Deutschland, USA 2016 | Gudrun Gruber | 73 Min | OmdtU

Im Hügelland der Sonora Wüste an der US-amerikanischen Grenze zu Mexiko werden jährlich die menschlichen Überreste hunderter Migrant*innen geborgen. Sie sterben bei dem Versuch, sich hier in die USA durchzuschlagen. Die hochtechnologisierte Sicherheitspolitik der Grenzwache zieht ihre Spuren weit ins Inland hinein und die Menschen leben zwischen Überwachungsanlagen, Terrorangst und mit dem bereits 1.100 km langen Grenzzaun, dessen Bauarbeiten sich weiter fortsetzen. Die angespannte Lage im Grenzland hat die Einwohner*innen längst in zwei Lager geteilt. Die einen verlangen noch mehr »Grenzsicherheit«, die anderen fordern mehr humanitäre Hilfe. BORDERLAND BLUES erzählt aus der Sicht der Wüstenbewohner*innen von einem Leben am geographischen Rand der Vereinigten Staaten. Er begleitet Einheimische, NGOs und selbsternannte paramilitärische Grenzwächter auf ihren Wegen durch das Grenzgebiet.

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Donald Trump (angefragt)
27.01.2018 - 20:30

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DEAD DONKEYS FEAR NO HYENAS – GRÜNES GOLD

Deutschland 2017 | Joakim Demmer | 80 Min | OmdtU

Ein dokumentarischer Thriller über die rücksichtslosen Methoden des Landraubs. Ackerland gilt global als das neue »Grüne Gold«. Und einer der profitabelsten Hotspots in diesem Business ist Äthiopien. Der Film begleitet einen äthiopischen Umweltjournalisten und zeigt Landgrabbing als eine moderne Form der Kolonisierung, bei der sich ausländische Investoren ohne jeden Nutzen für die lokale Bevölkerung große Ackerflächen aneignen. Auf Exporterlöse hoffend überlässt die äthiopische Regierung Millionen Hektar von angeblich ungenutztem Land den Investoren. Versprochen werden dabei Wohlstand und Entwicklung. In der Realität aber bleiben Bäuer*innen zurück, die von dem Land, auf dem sie seit Generationen lebten, mit Gewalt vertrieben wurden. Sie kämpfen verzweifelt um den Erhalt ihres Landes, ihrer Kultur, ihres Lebens. EU, Weltbank und internationale Entwicklungsagenturen tragen zu diesem Desaster mit milliardenschwerer Unterstützung bei.

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Gast: Joakim Demmer (Regie)
28.01.2018 - 15:30

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DIL LEYLA

Deutschland 2017 | Asli Özarslan | 71 Min | OmdtU

Der Dokumentar lm DI LEYLA porträtiert die 27-jährige Leyla Imret bei ihren politischen Bemühungen, den Friedensprozess zwischen der kurdischen Bevölkerung der Türkei und der Regierung voran zu treiben. Leyla wurde in der türkischen Kleinstadt Cizre nahe der syrisch-irakischen Grenze geboren und wuchs mit den heftigen, bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen PKK und Militär auf. Nachdem ihr Vater in einem Gefecht mit dem türkischen Militär ums Leben gekommen ist, schickte ihre Mutter die damals 5-Jährige nach Deutschland, um sie vor den anhaltenden Konflikten zu schützen. Dort wächst sie bei Verwandten auf. Zwanzig Jahre später kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück und kandidiert für das Bürgermeister*innenamt. Mit großer Mehrheit wird sie gewählt. Der Dokumentarfilm schwankt zwischen alltäglichen Szenen der Kleinstadtpolitik und den immer wieder aufflammenden Konflikten in und um Cizre. Hoffnungsvolle Momente wie der Wahlerfolg der prokurdischen Partei HDP im Jahr 2015 werden überschattet von der erneuten Eskalation des Krieges im Jahr darauf.

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Mehmet Tanriverdi (Deutsch-kurdische Gesellscha Gießen e. V.)
28.01.2018 - 18:00

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#MYESCAPE

Deutschland 2016 | Elke Sasse | 90 Min | OmdtU

#MYESCAPE dokumentiert Fluchtwege auf direkte und eindrucksvolle Weise. Er nutzt dafür Videomaterial, das nicht von Filmemacher*innen oder Journalist*innen stammt, sondern von den Flüchtenden selbst. Für viele Menschen auf der Flucht ist das Mobiltelefon ein unverzichtbares Mittel zur Organisation ihrer Flucht. Es dient dem Transport von Erinnerungen an das Zurückgelassene und an die einzelnen Fluchtstationen. In den sozialen Netzwerken kursieren zahllose Clips, die nicht über, sondern von der Flucht nach Deutschland erzählen, nicht aus sicherem Abstand, sondern aus unmittelbarer Nähe. #MYESCAPE hat solche Fluchtgeschichten gesammelt: von der Heimat, vom Abschied, den verschiedenen Stationen der Flucht, der Ankunft und den ersten Eindrücken in Deutschland. Die Geflüchteten kommentieren ihr Filmmaterial mit ausführlichen Interviews. So entsteht ein eindrückliches Bild aus nächster Nähe von Menschen auf der Suche nach Sicherheit.

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Aktivisten des Freedom March 2014
28.01.2018 - 20:30

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THE END OF MEAT

Deutschland 2017 | Marc Pierschel | 95 Min | Deutsch

Filmemacher Marc Pierschel wagt mit seinem Film den Blick in eine mögliche Zukunft ohne Fleisch und antizipiert deren Auswirkungen auf die Umwelt, Tiere und uns selbst. Dabei begegnet er Esther, einem ganz besonderen Hausschwein, welches das Leben von zwei Kanadiern komplett auf den Kopf stellt, spricht mit den Pionier*innen der veganen Bewegung in Deutschland, besucht die erste vegetarische Stadt in Indien, begegnet geretteten »Nutztieren« in Freiheit und trifft auf Wissenschaftler*innen, die die Herstellung tierfreien Fleisches erforschen, das neben der veganen/vegetarischen Er- nährungsweise zusätzlich zu einer wesentlichen Veränderung des 600 Milliarden schweren, globalen Fleischmarkts beitragen soll. Der Film zeigt Auswirkungen des Fleischkonsums, untersucht die vielschichtigen Vorteile einer pflanzlichen Ernährungsweise und wirft kritische Fragen über eine zeitgemäße Tierethik und die zukünftige Rolle der Tiere in unserer Gesellschaft auf. Wie lässt sich die entscheidende Wende im Mensch-Tier-Verhältnis gesamtgesellschaftlich erreichen?

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Marc Pierschel (Regie)
29.01.2018 - 18:00

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AWAKE, A DREAM FROM STANDING ROCK

USA 2017 | Josh Fox | 84 Min | Englisch

Das Widerstandscamp von »Standing Rock« bildete 2016 das Zentrum des Widerstands gegen den Bau der »Dakota Access Pipeline«. Die Sioux der Standing Rock Reservation wehren sich gegen den Bau der Pipeline, die über die Grabstätten und das heilige Land ihrer Vorfahren verlaufen soll. Der Plan für die Pipeline sieht vor, den Lake Oahe zu unterqueren und stellt eine Gefahr für die Wasserversorgung des Reservats und bestehende Ökosysteme dar. Im Laufe des Jahres wuchs das Camp auf über 3.000 Menschen an, die sich friedlich gegen die Umweltzerstörung einsetzten. Über 100 Gemeinschaften der Native Americans, Umweltorganisationen und Menschenrechtsaktivist*innen kämpften gemeinsam und gestalteten selbstorganisiert den Alltag im Camp. Standing Rock wurde zu einem Symbol und zur Inspirationsquelle der globalen Bewegung für Klimagerechtigkeit. Der Film erzählt die dramatische Geschichte des Protests aus der Perspektive der Aktivist*innen und der Camp-Gemeinschaft vor Ort.

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Dominik Werner (Marburg)
29.01.2018 - 20:30

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THE WORKERS CUP

England 2017 | Adam Sobel | 89 Min | OmengU

Nachdem Katar von der FIFA zum Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ausgewählt wurde, startete in der Ölmetropole am persischen Golf ein wahrer Bauboom. Um all die geplanten Stadien und die Infrastruktur zu errichten, warb Katar Tausende von Wanderarbeitern an, die in engen und nur karg ausgestatteten Camps an den Außenrändern der Städte untergebracht wurden. Der Film erzählt von den harten Lebens- und Arbeitsbedingungen afrikanischer und asiatischer Wanderarbeiter und davon, wie für die Arbeiter jährlich ein Fußballturnier ausgerichtet wird, das man den Workers Cup nennt. Beim Fußballspielen abseits der glänzenden Fußballstadien hinter ihren staubigen Arbeitslagern vergessen sie, wenn auch nur zeitweise, ihre Enttäuschung darüber, dass viele von ihnen vor dem Unterzeichnen der Arbeitsverträge von den Anwerbern in ihren Heimatländern getäuscht, mit falschen Versprechungen in das Land gelockt wurden und jetzt für die halben Gehälter arbeiten, die ihnen versprochen wurden.

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Ursula Kneer (Amnesty International)
30.01.2018 - 18:00

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FUCK WHITE TEARS

Südafrika, Deutschland 2016 | Annelie Boros | 26 Min | OmengU

Mit dem Vorhaben, einen Film über die Studierendenbewegung in Südafrika zu drehen, reist Annelie Boros nach Kapstadt. Doch sie erfährt nur Zurückweisung: Die Studierenden wollen nicht, dass sie als Weiße einen Film über die vor allem schwarze Protestbewegung macht.
Die Filmemacherin versucht zu verstehen, warum, und zeigt uns einen Film über einen Film, den sie nicht machen konnte. Es geht um seit Jahrhunderten andauernde ungleiche Machtverhältnisse in Südafrika, tief verwurzelten Rassismus und nicht zuletzt um das Filmemachen an sich.

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Annelie Boros (Regie)
30.01.2018 - 20:30

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GUARDIANS OF THE EARTH

Österreich, Deutschland 2017 | Filip Antoni Malinowski | 86 Min | OmdtU

Nach 21 Jahren des kontinuierlichen Scheiterns von UN-Klimaverhandlungen treffen 20.000 Unterhändler*innen aus 195 Ländern auf einem vom Militär geschützten Privatflughafen im Norden von Paris zusammen. Hinter verschlossenen Türen starten die Delegierten einen neuen Versuch, sich auf ein verbindliches globales Abkommen gegen den Klimawandel zu einigen. Der Film zeigt das Ringen um das komplexe Vertragswerk aus der Perspektive von fünf Beteiligten – unter anderem der Chefin der UN-Klimaabteilung, den Unterhändler*innen von zwei der am meisten von den Folgen des Klima- wandels bedrohten Staaten und dem Vertreter Bahrains, eines Öl-Exportlandes. Er gibt einen einzigartigen Einblick in den Prozess hinter verschlossenen Türen und offenbart die Konflikte einer globalisierten Gesellschaft: zwischen Solidarität und nationalen Eigeninteressen, zwischen dem Kampf um kurzfristiges Wirtschaftswachstum auf der einen und dem massiven, langfristigen Verlust an Lebensgrundlagen auf der anderen Seite.

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Manfred Treber (German Watch e. V.)
31.01.2018 - 18:00

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SANDS OF SILENCE

USA 2016 | Chelo Alvarez-Stehle | 86 Min | OmengU

Ihre journalistische Arbeit über sexuelle Gewalt gegen Frauen bringt die Filmemacherin Chelo Alvarez-Stehle in Kontakt mit der Mexikanerin Virginia Isaias und Anu Tamang aus Nepal. Virginia Isaias wurde mit ihrem Baby im Arm auf offener Straße entführt, eingesperrt und versklavt. Mit Glück gelang ihr nach Monaten die Flucht in die USA. Dort entschied sie sich nach vielen Jahren, für die betroffenen Frauen ihrer Latino-Community zu kämpfen. Anu Tamang wurde mit 16 Jahren als Sexsklavin nach Indien verkauft. Zwei Jahre darauf befreite die indische Regierung sie und 200 weitere junge Nepalesinnen. Zurück in ihrer Heimat gründete sie später die erste Selbsthilfe-Organisation dieser Art in Nepal. Beide Frauen sind mittlerweile mehrfach international für ihre Arbeit ausgezeichnet worden. Chelo Alvarez-Stehle bindet auch die Geschichte ihrer eigenen Familie in den Film ein. In diesem Auseinandersetzungsprozess stößt sie zunächst auf Schweigen und Tabus, die jedoch nach und nach aufgebrochen werden. SANDS OF SILENCE arbeitet mit verschiedensten Stilmitteln, währenddessen sich die drei Erzählstränge immer mehr verbinden, sodass letztlich ein facettenreiches, berührendes filmisches Dokument entsteht.

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31.01.2018 - 19:00

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DIE STADT ALS BEUTE

Deutschland 2016 | Andreas Wilcke | 82 Min | Deutsch | OmengU

Von London bis New York gilt Berlin plötzlich als »the place to be«. Das weckt Begehrlichkeiten. Jeder will hier wohnen und viele wollen sich hier eine Wohnung kaufen, die – verglichen mit »zu Hause« – spottbillig ist. Ehemaliger staatlicher Wohnungsbestand wird privatisiert und Mietwohnungen werden zu Eigentum. Welten prallen aufeinander und Paralleluniversen tun sich auf. Der Film dokumentiert über vier Jahre mit beeindruckenden Bildern die rasanten Veränderungen durch diesen Immobilienboom. Er befragt die verschiedenen Akteure, begleitet Makler, Investoren und Kaufinteressenten bei der Schnäppchenjagd und Mieter*innen beim Gang durch die Institutionen. Der Zuschauer ist quasi live dabei, wenn im Zeitraffertempo eine ganze Stadt umgekrempelt wird.

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31.01.2018 - 20:30

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TRUE WARRIORS

Afghanistan, Deutschland 2017 I Ronja von Wurmb-Seibel, Niklas Schenck I 90 Min I OmdtU

Kabul, 11. Dezember 2014: Bei der Premiere eines Theaterstücks über Selbstmordanschläge sprengt sich ein 17 Jahre alter Junge in die Luft. Manche Zuschauer*innen klatschen – sie halten die Explosion für eine besonders realistische Inszenierung. Erst als Panik ausbricht, verstehen sie, was passiert ist. Der Dokumentarfilm TRUE WARRIORS erzählt die Geschichte der Schauspieler*innen und Musiker*innen, die an diesem Tag auf der Bühne standen. Sie wollten mit ihrem Stück über Selbstmordanschläge ein Zeichen setzen gegen den Terror, der ihre Gesellschaft zerfrisst. Nun sind sie selbst vor Angst gelähmt. Sollen sie jemals wieder Theater spielen? Nicht vorstellbar. Als Musiker berühmt werden? Viel zu gefährlich. Erst als der Schock der Gewalt sie ein zweites Mal trifft, entscheiden die Künstler*innen, sich mit aller Kraft ihrer Ohnmacht entgegenzustellen. Sie radikalisieren sich künstlerisch und beginnen so, ihr Trauma zu besiegen. TRUE WARRIORS zeigt uns, dass wir dem Terror mehr entgegensetzen müssen als Hass und Angst.

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Niklas Schenk und Ronja von Wurmb-Seibel (Regie)
01.02.2018 - 18:00

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AUDIENCE EMANCIPATED: THE STRUGGLE FOR THE EMEK MOVIE THEATER

Türkei 2016 | Fırat Yücel / Emek Bizim Istanbul Bizim Initiative | 47 Min | OmengU

Im Mittelpunkt dieser Chronik steht der Kampf um die Rettung des 100 Jahre alten Emek-Kinos, eines der wichtigsten kulturellen Wahrzeichen Istanbuls, das im Zuge der staatlichen Städtebaupolitik Erdoğans einem neuen Einkaufszentrum zum Opfer fallen soll. Die beteiligten Aktivist*innen dokumentieren ihren Widerstand, als das Gebäude trotz gewaltiger öffentlicher Proteste 2010 zum Abriss freigegeben wird. Regisseur Fırat Yücel hat dieses Bildmaterial gekonnt aufgearbeitet, um eindrucksvoll spürbar zu machen, was der Ausgangspunkt für den »Ungehorsam« der Bevölkerung war: Das Recht der Bewohner*innen auf Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und auf ihre Stadt als lebendigen, kulturellen Ort. Der Kampf um den Erhalt des Emek-Kinos wird zu einem Schlüsselereignis für weitere politische Entwicklungen in der Türkei. Als nächstes drückt sich der Widerstand gegen Erdoğans Aushöhlung gewachsener urbaner Strukturen in den massiven Protesten im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz aus.

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Firat Yücel (Co-Editor)
01.02.2018 - 20:30

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YULAS WELT – SOMETHING BETTER TO COME

Dänemark, Polen, 2014 | Hanna Polak | 98 Min. | OmdtU

Yula wünscht sich nichts mehr, als ein Leben zu leben wie alle anderen. Ihre Realität ist allerdings trist. Sie lebt mit ihrer Mutter in der eigentlich verbotenen Zone von Svalka, der größten Müllhalde Europas, nur 20 km vom Kreml entfernt. Dort versucht sie, inmitten von Dreck und Müll zu überleben, aber gleichzeitig auch ein ganz normaler Teenager zu sein. Zwischen Abfall und gepanschtem Alkohol erlebt sie die erste Liebe mit all ihren Folgen. Gleichzeitig kümmert sie sich um ihre Mutter und verliert dabei nie das Ziel aus den Augen, Svalka irgendwann verlassen zu können. Während all dem fasziniert Yula durch ihre Unbeschwertheit und ihren Lebensmut, die sie trotz allem nie verliert. Hanna Polak hat Yula 14 Jahre lang mit der Kamera begleitet. Sie erzählt ihre unvorstellbare Geschichte mit packender Unmittelbarkeit und voller Feingefühl. Dabei ist ein universeller Film über das Erwachsenwerden entstanden, der von Hoffnung, Mut und Lebensfreude inmitten schwierigster Umstände erzählt.

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Kai Ehlers (Journalist, Hamburg)
02.02.2018 - 18:00

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TODSCHICK

Deutschland, 2016 | I. Altemeier, R. Hornung | 52 Min | Deutsch

Seit vielen Jahren versprechen uns die Modefirmen saubere und faire Produktionsbedingungen. Bei der Textilproduktion in den Billiglohnländern werden bis heute aber noch nicht einmal grundlegende Menschenrechte eingehalten. ArbeiterInnen sterben für die Mode, ob bei Feuern oder dem Einsturz kompletter Gebäude wie bei der Rana Plaza Katastrophe, wo über 1.200 Menschen umkamen. Können Selbstverpflichtungen der Unternehmen diese Misere beenden oder müssen weltweit wirksame Gesetze her? Einen Schritt in Richtung Wahrung von Menschenrechten hat Frankreich als Vorreiter unternommen, indem es ein Gesetz erlassen hat, das Unternehmen finanziell haftbar macht, wenn sie gegen Menschenrechte entlang der Produktionsketten verstoßen. Das Filmteam begleitet die Rechtsanwältin Marie Laur Guislan nach Bangladesch bei der Beweisaufnahme im Fall des französischen Konzerns AUCHAN, denn in den Trümmern des Rana Plaza Gebäudes wurden auch Markenzeichen von AUCHAN gefunden. Gefilmt wird dabei in maroden Fabriken in denen auch H&M und KIK produzieren lassen, zu Wort kommen Arbeiter*innen und Fabrikbesitzer*innen.

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Reinhard Hornung (Regie)
02.02.2018 - 20:30

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DIAS Y NOCHES ENTRE GUERRA Y PAZ

Kolumbien 2017 | Uli Stelzner | 75 Min | OmdtU

In Kolumbien soll der längste Krieg Lateinamerikas mit einem Friedensvertrag zwischen Regierung und Guerilla beendet werden. In einem Referendum wird der Vertrag aber mit knapper Mehrheit abgelehnt. Der Film entstand in den Tagen rund um das Referendum. Regisseur Uli Stenzler dokumentiert eine Reise durch Kolumbien und sammelt Erinnerungen der Bevölkerung an die vergangenen Jahre des Krieges. Er spricht mit der vom Krieg massiv betro enen Landbevölkerung, den Bewohner*innen der großen Städte, Demonstrant*innen gegen die FARC und ihren Anhänger*innen. Kann ein Friedensprozess mit all seinen Tücken gelingen angesichts der sozialen Ungleichheiten Kolumbiens und einer bloß formalen Demokratie im Rahmen des Neoliberalismus? Auf diese Fragen geben die Menschen unterschiedliche Antworten und stellen vor allem die soziale und wirtschaftliche Zukunft des Landes und die politische Partizipation in den Mittelpunkt. Diese sind von weitaus größerer Bedeutung als ein Friedensnobelpreis oder die einfache Unterschrift unter einen Friedensvertrag.

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Anika Oettler (Universität Marburg)
03.02.2018 - 18:00

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KONZERNE ALS RETTER

Deutschland 2017 | Caroline Nokel | 90 Min | OmdtU

Erklärtes Ziel der UN ist es, bis 2030 Armut und Hunger weltweit zu beenden. Um das zu erreichen, setzt die staatliche Entwicklungshilfe zunehmend auf die Privatwirtschaft. Der Einsatz unternehmerischen Know-hows kreiere eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, so die Befürworter*innen. Kritiker*innen halten dagegen, dass das Einbeziehen von Konzernen in die Entwicklungshilfe eine Außenwirtschaftsförderung sei und nicht den Hungernden zugute komme. Die Dokumentation analysiert die politischen Hintergründe öffentlich-privater Partnerschaften in der Entwicklungshilfe. Sie beleuchtet sieben unterschiedliche Modelle der Zusammenarbeit im Ernährungs- und Landwirtschaftssektor in Kenia, Sambia und Tansania. Dabei wird der Missbrauch staatlicher Entwicklungsgelder durch die Industrie aufgezeigt und der Grundkonflikt zwischen industrieller und kleinbäuerlicher Landwirtschaft deutlich. Ist eine Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und Staat in der Entwicklungshilfe überhaupt auf eine Art möglich, dass die lokale Bevölkerung tatsächlich von ihr profitiert?

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Caroline Nokel (Regie)
03.02.2018 - 20:30

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THE GIANT IS FALLING

Südafrika 2016 I Rehad Desai I 77 Min I OmdtU

Der Film nimmt uns mit auf eine analytische Reise durch die politischen Ereignisse der letzten Jahre in Südafrika, die die langsame Erosion der Macht des ANC ankündigen. Dabei hatte die Partei Nelson Mandelas nach dem Ende der Apartheid lange Zeit unangefochten regieren können. Der Film greift tragische Ereignisse wie das Massaker von Marikana an 32 Bergarbeitern auf, um zu zeigen, wie die Südafrikaner*innen auf die gebrochenen Versprechen des ANC reagieren. Er beschreibt das Ende der besonderen Beziehung des ANC zu den Gewerkschaften, den Aufstieg der radikalen »Economic Freedom Fighters«, die Student*innen-Protestbewegung #FeesMustFall und thematisiert das desaströse Ergebnis der ehemaligen »Befreiungspartei« bei den letzten Regionalwahlen. Der Film legt den Finger in die Wunde der sozialen und ökonomischen Ungleichheit in Südafrika, die den aktuellen neoliberalen Status Quo unhaltbar macht.

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Carmen Ludwig (Universität Gießen)
04.02.2018 - 15:30

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WHOSE STREETS?

USA 2017 | Sabaah Folayan | 103 Min | OmengU

Am 8. August 2014 wurde in Ferguson/Missouri der 18-jährige Schüler Michael Brown von einem Polizisten erschossen. 12 mal drückte der Polizist ab und der Tote blieb über Stunden auf der Straße liegen. Dieses Ereignis markiert einen Wendepunkt in der »Black Lives Matter«-Bewegung. In den darauf folgenden Tagen werden Künstler*innen, Musiker*innen, Lehrer*innen und Eltern zu Kämpfer*innen für Gerechtigkeit, die an vorderster Front gegen die rassistische Polizeigewalt in den USA eintreten. Die Proteste halten an. Als schließlich die schwer bewaffnete Nationalgarde in Ferguson einrückt und gegen die Demonstrierenden vorgeht, weiten sich die Proteste über das ganze Land aus.
Der Dokumentarfilm WHOSE STREETS? wurde von Aktivist*innen gefilmt, die Teil der Bewegung sind und selbst an den Protesten teilgenommen haben. Er gibt der schwarzen Bevölkerung von Ferguson eine Stimme und die Möglichkeit, ihrer Wut Ausdruck zu verleihen.

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Eric Otieno (Universität Kassel)
04.02.2018 - 18:00

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I AM NOT YOUR NEGRO

USA, Frankreich 2017 | Raoul Peck | 93 Min | OmdtU

Als der US-Schriftsteller James Baldwin 1987 starb, hinterließ er ein Manuskript mit dem Titel »Remember this house«. Das Buch sollte eine persönliche Auseinandersetzung mit den Biografien von Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers werden, die alle bei Attentaten ermordet wurden. Die persönlichen Erinnerungen an die drei großen Bürgerrechtler verknüpft Baldwin mit einer Reflexion der eigenen, schmerzhaften Lebenserfahrung als Person of Colour in den USA. Der Film schreibt Baldwins Fragment filmisch fort und verdichtet es zu einer beißenden Analyse der Repräsentation von Afro-Amerikaner*innen in der US-Kulturgeschichte. Baldwins Texte werden als Voice-Over über Archivfotos, Filmausschnitte und Nachrichten- Clips der 50er und 60er Jahre gelegt, die eine Idee vom Ausmaß der rassistischen Ausgrenzung vermitteln und von der Formierung der schwarzen Bürgerrechtsbewegungen in jener Zeit erzählen. In seiner Analyse geht der Film bis in die Gegenwart: zur bis heute permanenten Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner*innen, zu den Unruhen von Ferguson und Dallas und zur »Black-Lives-Matter«-Bewegung.

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Eric Otieno (Universität Kassel)
04.02.2018 - 20:30

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MACHINES

Indien, Deutschland, Finnland 2016 | Rahul Jain | 71 Min | OmdtU

Durch die Korridore der enormen und verwirrenden Strukturen einer Textilfabrik nimmt die Kamera die Betrachter*in mit auf eine Reise zu einem Ort der Entmenschlichung durch körperliche Arbeit und intensive Härte. Die Maschinen laufen an 7 Tagen in der Woche 24 Stunden. Die Schichten der Arbeiter*innen dauern 12 Stunden. Diese gigantische Fabrik im indischen Bundesstaat Gujarat, in deren Inneres kaum Tageslicht dringt, könnte genauso gut der Schauplatz für Dantes Inferno im 21. Jahrhundert sein. In seiner nachdenklich stimmenden und intimen Darstellung zeigt Regisseur Rahul Jain das Leben der Arbeiter*innen und das Leiden in einer Umgebung, der sie kaum entkommen können. Mit starker, visueller Sprache, unvergesslichen Bildern und sorgfältig ausgewählten Interviews der Arbeiter*innen erzählt Jain eine Geschichte von Ungleichheit, Unterdrückung und der großen Kluft zwischen den Perspektiven der Reichen und der Armen.

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Christiane Schnurra (Clean Clothes Campaign)
06.02.2018 - 19:00

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FREE LUNCH SOCIETY – KOMM, KOMM GRUNDEINKOMMEN

Österreich, Deutschland 2017 | Christian Tod | 95 Min | Deutsch

Was würdest du tun, wenn du ein gesichertes Einkommen hättest? Das bedingungslose Grundeinkommen bedeutet Geld für alle – als Menschenrecht ohne Gegenleistung! Visionäres Reformprojekt, sozialromantische linke Utopie oder neoliberale Axt an den Wurzeln des Sozialstaates? Je nach Vertreter*in zeigt das Grundeinkommen sehr verschiedene ideologische Gesichter. Entscheidend ist das Menschenbild, das damit verwirklicht werden soll: Inaktivität als lähmendes süßes Gi oder Freiheit von materiellen Zwängen als Chance, für sich selbst und für die Gemeinschaft? Brauchen wir tat- sächlich die Peitsche der Existenzangst, um nicht träge vor dem Fernseher zu verkommen? Oder gibt die Erwerbsarbeit unserem Leben Sinn und sozialen Halt, weil wir es seit Jahrhunderten nicht anders kennen? Und weil wir nie gemeinsam die Freiheit hatten, uns anders zu verwirklichen? Der Film vermittelt Hintergrundwissen zu dieser Idee und sucht nach Erklärungen, Möglichkeiten und Erfahrungen zu ihrer Umsetzung.

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Werner Rätz (Attac)